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Ahmad

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"Unser" Ahmad wieder einmal in der Süddeutschen Zeitung (Wochenendausgabe vom 29./30. August 2020).
Im September vor fünf Jahren kommen in kürzester Zeit Zehntausende Flüchtlinge in München an. Die Hilfsbereitschaft und Offenheit der Stadt beeindruckt Menschen in aller Welt.
Viele Helfer in unterschiedlichen Rollen unterstützen die Ankommenden, u.a. auch Ahmad Abbas:
 

Der Dolmetscher

Als 17-Jähriger wurde Ahmad Abbas 2012 schwer verletzt aus Syrien nach München gebracht, nun arbeitet er hier als medizinischer Fachangestellter. (Foto: Stephan Rumpf)
Ahmad Abbas schrieb auf ein Pappschild, damals im Herbst 2015: "Willkommen in Deutschland! Ihr seid in München", stand darauf - auf Arabisch. So wussten die Ankommenden, dass er sie versteht, dass er ihre Sprache spricht. Als Abbas, der selbst aus Syrien stammt, von der Situation am Hauptbahnhof erfuhr, wollte er helfen.
Vor dem Ankunftszentrum erklärte er den Flüchtlingen, wie ihre Registrierung abläuft und warum sie sich medizinisch untersuchen lassen müssen. "Das Vertrauen der Menschen zu gewinnen, war oft schwer", erinnert er sich, "viele sind auf ihrer Flucht von Schleusern betrogen worden." Manche fragten ihn, wie sie es bis nach Berlin schaffen könnten, wo Verwandte auf sie warteten. Dann ging Abbas mit ihnen zur Polizei und half dabei, ein passendes Zugticket zu kaufen. Er übersetzte für Behörden und Hilfsorganisation, verteilte Wasser und belegte Brote.
Eines Abends begegneten ihm zwei syrische Brüder, zwölf und 19 Jahre alt, die keinen Schlafplatz fanden. Abbas nahm sie mit zu sich nach Hause, ließ sie in seinem zwölf Quadratmeter großen Wohnheimzimmer übernachten. "Sie waren vollkommen erschöpft, ich konnte sie nicht einfach am Bahnhof zurücklassen", erzählt er. Am nächsten Tag brachte er sie wieder zurück zum Bahnhof, von wo aus sie dann weiter nach Hamburg reisten.
Während er anderen Menschen am Bahnhof half, lernte Abbas für seinen Mittelschulabschluss. Heute besucht er die Schlau-Schule, die Hunderte Flüchtlinge unterrichtet, nur noch, um mit seinem syrischen Friedenschor zu proben. Der ist sogar schon in Berlin aufgetreten beim "Tag der offenen Tür" der Bundesregierung. Abbas arbeitet inzwischen als medizinischer Fachangestellter in einer Arztpraxis, engagiert sich aber weiter ehrenamtlich. Statt im Wohnheim lebt er nun seit mehr als drei Jahren bei einer Seniorin in Trudering. Damals, 2015, hatte Abbas beim Helfen nicht nur den Vorteil, dass er arabisch spricht, er weiß auch aus eigener Erfahrung, wie es sich anfühlt, als Flüchtling in einem fremden Land anzukommen. Er selbst kam 2012 gemeinsam mit seiner Schwester nach Deutschland, gerade mal 17 Jahre alt war er. Schwer verletzt durch einen Granateneinschlag im Elternhaus, wurden die beiden aus Syrien über den Libanon in die Haunersche Kinderklinik in München gebracht. "Die Erfahrungen, die ich damals wegen meiner Verbrennungen in der Klinik und als Helfer am Hauptbahnhof gemacht habe, haben meinen Eindruck vom positiven Deutschland geformt", sagt er. "Als ich gehört habe, dass so viele Münchner am Ankunftszentrum helfen, wollte ich auch für meine Landsleute da sein." Ramona Dina

 

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